Risiko & Portfolio

Sharpe Ratio einfach erklärt: risikobereinigte Rendite messen

Die Sharpe Ratio misst die Rendite je Risikoeinheit: die Überrendite einer Anlage gegenüber dem risikolosen Zins, geteilt durch ihre Volatilität.

Was die Sharpe Ratio aussagt

Zwei Fonds haben im vergangenen Jahr 10 % erzielt. Der eine kam ruhig ans Ziel, der andere mit Ausschlägen von 30 %. Die Sharpe Ratio, 1966 vom Ökonomen William F. Sharpe vorgestellt, fasst diesen Unterschied in eine Zahl: Sie misst, wie viel Rendite eine Anlage über einer risikolosen Alternative je Einheit Volatilität erwirtschaftet hat.

Je höher die Kennzahl, desto besser die risikobereinigte Rendite. Deshalb gehört sie zu den meistgenutzten Maßstäben, um Fonds, Strategien und Portfolios zu vergleichen.

So wird sie berechnet

Alle Eingaben beziehen sich auf denselben Zeitraum und dieselbe Frequenz, meist auf Jahreswerte:

Sharpe Ratio       = (Rp − Rf) ÷ σp
Rp = Portfoliorendite · Rf = risikoloser Zins · σp = Volatilität
Sharpe (jährlich)  ≈ Sharpe (täglich) × √252

Als risikoloser Zins dient meist die Rendite kurzlaufender Staatspapiere in der Währung der Anlage. Wird die Kennzahl aus Tagesrenditen berechnet, multipliziert man sie zur Annualisierung mit der Wurzel aus der Zahl der Perioden pro Jahr.

Ein Rechenbeispiel

Portfolio A erzielte 12 % bei 16 % Volatilität, Portfolio B 10 % bei 8 % Volatilität; der risikolose Zins lag bei 4 %. Die Sharpe Ratio von A beträgt (12 − 4) ÷ 16 = 0,50, die von B (10 − 4) ÷ 8 = 0,75. B hat absolut weniger verdient, wurde aber für jede Einheit Risiko besser bezahlt. Im Prinzip ließe sich B so weit aufstocken, bis das Risiko von A erreicht ist – mit höherer erwarteter Rendite.

Zur Einordnung: Breite Aktienmärkte haben über lange Zeiträume historisch Sharpe Ratios deutlich unter 1 geliefert. Eine Strategie, die dauerhaft Werte weit über 1 verspricht, verdient gesunde Skepsis.

Grenzen und typische Fehler

Die Sharpe Ratio wertet jede Schwankung als schlecht, auch plötzliche Gewinne, und unterstellt annähernd normalverteilte Renditen. Strategien, die kleine, stetige Gewinne einfahren und dabei ein seltenes Risiko großer Verluste tragen – etwa der Verkauf versicherungsähnlicher Optionen –, können glänzende Werte zeigen, bis sie implodieren. Die Sortino Ratio, die nur die Abwärtsvolatilität zählt, und der maximale Drawdown helfen, diese Lücken zu schließen.

Das Ergebnis hängt außerdem vom Zeitraum, der Datenfrequenz und dem gewählten risikolosen Zins ab. Vergleiche Werte nur, wenn sie gleich berechnet wurden – im selben Zeitfenster und in derselben Währung.

Häufige Fragen

Welche Sharpe Ratio ist gut?

Grob gilt: je höher, desto besser; ein über viele Jahre gehaltener Wert über 1 gilt als stark. Breite Aktienindizes lagen über lange Zeiträume meist darunter. Vergleiche immer nur Werte, die mit derselben Methode und für denselben Zeitraum berechnet wurden.

Kann die Sharpe Ratio negativ sein?

Ja – immer dann, wenn die Anlage weniger als den risikolosen Zins erzielt hat. Eine negative Sharpe Ratio bedeutet, dass man in diesem Zeitraum mit einer risikolosen Anlage besser gefahren wäre.

Was ist der Unterschied zwischen Sharpe Ratio und Sortino Ratio?

Die Sharpe Ratio teilt die Überrendite durch die gesamte Volatilität, die Sortino Ratio nur durch die Abwärtsvolatilität. Große Aufwärtsbewegungen werden bei der Sortino Ratio also nicht bestraft.

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