Bärenmarkt einfach erklärt: Definition, Beispiele, richtiges Verhalten
Ein Bärenmarkt (Baisse) ist ein anhaltender Kursrückgang – meist definiert als Minus von mindestens 20 % gegenüber einem Hoch, begleitet von Pessimismus.
Was ein Bärenmarkt ist
Ein Bärenmarkt, auch Baisse genannt, ist eine längere Phase fallender Kurse, begleitet von schwindender Zuversicht und oft einer sich abkühlenden Konjunktur oder sinkenden Gewinnen. Das Bild wird gern mit der Angriffsweise des Bären erklärt: Er schlägt mit den Pranken von oben nach unten. Wie der Bullenmarkt gilt der Begriff für jede Anlage, wird aber meist für Aktienindizes verwendet.
Nach gängiger Konvention beginnt ein Bärenmarkt, wenn ein Index 20 % oder mehr unter seinem vorherigen Hoch schließt. Ein Rückgang um 10 bis 20 % heißt Korrektur, ein sehr plötzlicher Einbruch Crash. Krypto-Anleger sprechen zudem vom „Krypto-Winter“ – Rückgänge um 70 % und mehr gab es dort schon mehrmals.
So wird er gemessen – ein Rechenbeispiel
Gemessen wird auf Schlusskursbasis, ausgehend vom jüngsten Hoch:
Rückgang vom Hoch = (aktueller Stand − Hoch) ÷ Hoch × 100 Korrektur: −10 % bis −20 % Bärenmarkt: −20 % oder mehr Nötiger Anstieg = Hoch ÷ aktueller Stand − 1
Fällt ein Index von einem Hoch bei 5.000 auf 4.000 Punkte, liegt er (4.000 − 5.000) ÷ 5.000 = −20 % unter dem Hoch – nach der Konvention ein Bärenmarkt. Zurück auf 5.000 braucht es einen Anstieg um 1.000 ÷ 4.000 = 25 %. Jüngere Beispiele im S&P 500 reichen vom Einbruch um rund 57 % in den Jahren 2007 bis 2009 bis zum Absturz um etwa ein Drittel Anfang 2020, der kaum einen Monat dauerte.
Innerhalb eines Bärenmarkts
Bärenmärkte verlaufen selten geradlinig. Immer wieder gibt es Bärenmarktrallys – kräftige Erholungen um 10 % oder mehr, die Anleger zurücklocken, bevor die Kurse erneut drehen. Die Volatilität steigt, die Korrelationen zwischen Anlagen nehmen zu, und die Liquidität kann dünner werden, sodass selbst breit gestreute Depots leiden.
Historisch waren Bärenmärkte bei großen Indizes kürzer als Bullenmärkte, und auf jeden einzelnen in den großen US-Indizes folgte irgendwann eine Erholung. Für einzelne Aktien, Branchen oder Länder kann sie aber viele Jahre dauern oder ganz ausbleiben.
Richtiges Verhalten – und typische Fehler
Der teuerste Fehler ist, nahe dem Tief in Panik zu verkaufen und die Erholung zu verpassen. Wer in Abschwüngen weiter regelmäßig investiert, in gefallene Anlageklassen umschichtet und auf Kredithebel verzichtet, kommt meist besser durch. Ein Liquiditätspolster für absehbare Ausgaben verhindert, im schlechtesten Moment verkaufen zu müssen.
Ein weiterer Fehler ist der Versuch, den exakten Boden zu erwischen – er ist erst im Rückblick sichtbar. Und denk an die Asymmetrie: Je tiefer der Fall, desto größer der nötige Anstieg. Deshalb zählt es mehr, Positionsgrößen vor einem Abschwung zu begrenzen, als währenddessen Heldentaten zu vollbringen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Bärenmarkt?
Das ist sehr unterschiedlich. Historisch dauerten Bärenmärkte im S&P 500 im Schnitt rund ein Jahr; manche waren nach wenigen Wochen vorbei, andere zogen sich über mehr als zwei Jahre.
Was ist der Unterschied zwischen Korrektur und Bärenmarkt?
Eine Korrektur ist ein Rückgang um 10 bis 20 % von einem jüngeren Hoch, ein Bärenmarkt ein Rückgang um 20 % oder mehr. Korrekturen sind deutlich häufiger und kommen oft innerhalb längerer Bullenmärkte vor.
Sollte ich in einem Bärenmarkt verkaufen?
Das hängt von deiner Situation und deinem Anlagehorizont ab – dies ist keine Anlageberatung. Historisch haben Panikverkäufe nahe den Tiefs Verluste oft zementiert und die Erholung verpassen lassen; viele langfristige Anleger investieren stattdessen schrittweise weiter.