Märkte & Indizes

Bullenmarkt einfach erklärt: Definition, Phasen und Merkmale

Ein Bullenmarkt (Hausse) ist ein anhaltender Kursanstieg – meist definiert als Plus von mindestens 20 % gegenüber einem jüngeren Tief.

Was ein Bullenmarkt ist

Ein Bullenmarkt, auch Hausse genannt, ist eine Phase, in der die Kurse breit und anhaltend steigen – begleitet von besseren Unternehmensgewinnen, wachsender Zuversicht und zunehmender Beteiligung. Der Begriff passt auf jeden Markt, von Aktien über Gold bis Krypto, wird aber meist für große Aktienindizes verwendet. Das Bild wird gern mit der Angriffsweise des Bullen erklärt: Er stößt mit den Hörnern von unten nach oben.

Eine offizielle Definition gibt es nicht. Nach der verbreitetsten Faustregel beginnt ein Bullenmarkt, wenn ein Index 20 % über seinem letzten bedeutenden Tief steht, und hält an, bis er 20 % unter ein späteres Hoch fällt – die Schwelle zum Bärenmarkt.

So wird er gemessen – ein Rechenbeispiel

Gemessen wird auf Schlusskursbasis, ausgehend vom jüngsten Tief:

Anstieg vom Tief     = (aktueller Stand − Tief) ÷ Tief × 100
Bullenmarkt-Schwelle ≈ +20 % vom Tief

Angenommen, ein Index markiert nach einer Verkaufswelle bei 3.000 Punkten sein Tief. Schließt er bei 3.600, liegt er (3.600 − 3.000) ÷ 3.000 = 20 % über dem Tief, und Kommentatoren rufen einen neuen Bullenmarkt aus – rückwirkend datiert auf das Tief bei 3.000. Viele Trader achten zudem darauf, ob der Index über seiner 200-Tage-Linie bleibt, als Zeichen eines gesunden Aufwärtstrends.

Phasen und Psychologie

Der Investor John Templeton prägte den berühmten Satz: Bullenmärkte werden im Pessimismus geboren, wachsen in der Skepsis, reifen im Optimismus und sterben in der Euphorie. Anfangs glaubt kaum jemand an den Anstieg; später ziehen steigende Kurse neues Geld an, und die Bewertungen dehnen sich; gegen Ende fühlt sich das Risiko gerade dann am geringsten an, wenn es am größten ist.

Historisch dauerten Bullenmärkte bei großen Aktienindizes deutlich länger als Bärenmärkte und brachten Gewinne, die die Rückgänge mehr als ausglichen – ein Grund, warum langfristige Anleger lieber investiert bleiben, statt jede Wende timen zu wollen.

Grenzen und typische Fehler

Die 20-%-Schwelle ist willkürlich, und ein Bullenmarkt steht erst im Nachhinein fest: In Echtzeit kann eine kräftige Erholung innerhalb eines Bärenmarkts genauso aussehen. Ein Bullenmarkt auf Indexebene kann zudem eine schwache Marktbreite verdecken, wenn eine Handvoll Riesenwerte den Großteil des Anstiegs trägt.

Auch die Währung zählt. In einer Volkswirtschaft mit hoher Inflation kann ein Index in Landeswährung kräftig steigen und in Dollar gerechnet fallen; erst der Blick auf eine harte Währung oder auf die Inflation zeigt, ob das Vermögen wirklich gewachsen ist.

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Bullenmarkt?

Eine feste Dauer gibt es nicht. Historisch dauerten Bullenmärkte im S&P 500 im Schnitt mehrere Jahre – viel länger als Bärenmärkte –, einzelne Zyklen reichten aber von unter zwei Jahren bis zu mehr als einem Jahrzehnt.

Was ist der Unterschied zwischen Bullen- und Bärenmarkt?

Ein Bullenmarkt ist ein anhaltender Anstieg, meist um mindestens 20 % von einem Tief; ein Bärenmarkt ein anhaltender Rückgang um mindestens 20 % von einem Hoch. Die Tiere sollen ihre Angriffsweise widerspiegeln: der Bulle mit den Hörnern nach oben, der Bär mit den Pranken nach unten.

Kann man in einem Bullenmarkt Geld verlieren?

Ja. Einzelne Aktien können fallen, während der Index steigt, und wer spät im Bullenmarkt nahe dem Hoch kauft, kann bei einer Trendwende hohe Verluste erleiden.

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