Gleitender Durchschnitt: SMA, EMA und die 200-Tage-Linie erklärt
Ein gleitender Durchschnitt glättet den Kurs, indem er die letzten N Schlusskurse mittelt und mit jeder Kerze weiterrückt. Am gängigsten sind SMA und EMA.
Was ein gleitender Durchschnitt ist
Ein gleitender Durchschnitt ist der Durchschnittskurs einer festen Zahl zurückliegender Perioden, der mit jeder neu geschlossenen Kerze neu berechnet wird – das Fenster „gleitet“ also nach vorn. Im Chart macht er aus einer zackigen Kursreihe eine glatte Linie, an der sich die Grundrichtung leichter ablesen lässt.
Kurze Durchschnitte (9 bis 21 Perioden) liegen eng am Kurs und reagieren schnell; lange (50, 100, 200) bewegen sich träge und beschreiben den übergeordneten Trend. Die viel beachtete 200-Tage-Linie umfasst im Tageschart etwa die letzten zehn Handelsmonate.
So werden SMA und EMA berechnet
Der einfache gleitende Durchschnitt (SMA) gewichtet jeden Kurs im Fenster gleich. Der exponentielle (EMA) verwendet ein mit der Zeit abnehmendes Gewicht, sodass jüngere Kurse stärker zählen:
SMA = (K1 + K2 + … + KN) ÷ N EMA heute = Kurs × k + EMA gestern × (1 − k) k = 2 ÷ (N + 1)
Bei einem 9er-EMA ist k = 2 ÷ 10 = 0,2 – der heutige Schlusskurs trägt also 20 % des Gewichts. In unseren Charts lassen sich der 20er- und der 50er-SMA sowie der 9er- und der 21er-EMA einblenden.
So nutzt du ihn – ein Rechenbeispiel
Nimm fünf Schlusskurse: 10, 11, 12, 13 und 14. Der 5-Perioden-SMA beträgt (10 + 11 + 12 + 13 + 14) ÷ 5 = 12. Der Kurs (14) liegt über seinem Durchschnitt, und der Durchschnitt selbst steigt – das Lehrbuchbild eines Aufwärtstrends. Fiele der Kurs danach auf 11,5 und schlösse unter dem noch steigenden Durchschnitt, wäre das ein erstes Warnzeichen, aber noch kein Beweis für einen schwächeren Trend.
Typische Anwendungen: die Trendrichtung (liegt der Kurs über oder unter dem Durchschnitt, und zeigt dieser nach oben oder unten?); dynamische Unterstützung und dynamischer Widerstand, denn Rücksetzer im Trend stoppen oft in der Nähe einer viel beachteten Linie; und Kreuzungen. Schneidet die 50-Tage-Linie die 200-Tage-Linie von unten, sprechen Trader vom Golden Cross, im umgekehrten Fall vom Death Cross.
Grenzen und typische Fehler
Jeder gleitende Durchschnitt hinkt hinterher, weil er aus vergangenen Kursen besteht. Golden und Death Cross kommen meist erst deutlich nach dem Beginn einer Wende, und in Seitwärtsmärkten kreuzt der Kurs seine Linie ständig – mit einer Serie von Fehlsignalen.
Eine „richtige“ Länge gibt es nicht: Die 200-Tage-Linie funktioniert auch deshalb, weil so viele Marktteilnehmer auf sie schauen. Dutzende Längen durchzuprobieren, bis eine perfekt zur Vergangenheit passt, ist Kurvenanpassung und trägt selten in die Zukunft. Der EMA reagiert schneller, lässt sich aber häufiger täuschen; der SMA ist ruhiger, aber langsamer. Wähle die Länge passend zu deinem Anlagehorizont und bleib dabei.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen SMA und EMA?
Der SMA gewichtet alle Kurse im Fenster gleich, der EMA die jüngeren stärker. Deshalb dreht der EMA bei einem Trendwechsel früher – um den Preis häufigerer Fehlsignale.
Was ist ein Golden Cross?
Ein Golden Cross entsteht, wenn ein kürzerer Durchschnitt, meist die 50-Tage-Linie, einen längeren, meist die 200-Tage-Linie, von unten nach oben kreuzt. Es gilt als Zeichen eines sich festigenden Aufwärtstrends; die umgekehrte Bewegung heißt Death Cross. Beide Signale kommen verzögert.
Welcher gleitende Durchschnitt ist der beste?
Pauschal keiner. Kurzfristige Trader nutzen oft 9 bis 21 Perioden, Swing-Trader die 50er-Linie und langfristige Anleger die 200-Tage-Linie. Wichtiger ist, einen Durchschnitt konsequent und im Zusammenspiel mit anderen Hinweisen zu verwenden.