Aktienindex erklärt: Berechnung, Gewichtung und Performanceindex
Ein Aktienindex misst die gemeinsame Wertentwicklung eines Korbs von Aktien – etwa DAX, S&P 500 oder BIST 100 – und fasst sie in einer Zahl in Punkten zusammen.
Was ein Index ist
Ein Aktienindex ist ein statistischer Maßstab für eine Gruppe von Aktien. Statt Hunderte Kurse zu verfolgen, schauen Anleger auf eine Zahl: Wenn es heißt, „die Börse hat heute 1 % zugelegt“, ist meist ein Index wie der DAX, der S&P 500 oder der Dow Jones gemeint.
Indizes erfüllen drei Aufgaben: Sie fassen zusammen, wie sich ein Markt oder eine Branche entwickelt, dienen als Vergleichsmaßstab (Benchmark) für Fondsmanager und sind die Vorlage, die Indexfonds und ETFs nachbilden. Einen Index kann man nicht direkt kaufen – nur Produkte, die ihn abbilden.
So werden Indizes berechnet
Der Indexstand ist der gemeinsame Wert der Mitglieder geteilt durch einen Divisor, den der Indexanbieter anpasst, damit Aktiensplits, Kapitalmaßnahmen oder Wechsel in der Zusammensetzung den Index nicht springen lassen:
Kapitalgewichtet: Index = Σ(Kurs × Aktienzahl × Streubesitzfaktor) ÷ Divisor Kursgewichtet: Index = Σ(Kurse) ÷ Divisor Gewicht einer Aktie = ihre Marktkapitalisierung ÷ Gesamtmarktkapitalisierung
In einem nach Marktkapitalisierung gewichteten Index wie DAX oder S&P 500 haben die größten Unternehmen das meiste Gewicht; der Streubesitzfaktor zählt nur frei handelbare Aktien. Ein kursgewichteter Index wie der Dow Jones Industrial Average gibt Aktien mit hohem Stückkurs mehr Einfluss – unabhängig von der Unternehmensgröße.
Ein Rechenbeispiel
Nimm einen kursgewichteten Index aus drei Aktien zu 10, 20 und 90 mit einem Divisor von 3: Der Index steht bei (10 + 20 + 90) ÷ 3 = 40. Steigt die 90er-Aktie um 10 % auf 99, klettert der Index auf 129 ÷ 3 = 43, also um 7,5 %. Steigt stattdessen die 10er-Aktie um 10 % auf 11, kommt der Index nur auf 121 ÷ 3 ≈ 40,33 – ein Plus von 0,8 %. Dieselbe prozentuale Bewegung kann je nach Gewichtung ganz unterschiedlich zählen.
Weil Indexstände willkürlich sind – sie hängen von einem lange zurückliegenden Startwert ab –, ist es sinnlos, die Stände verschiedener Indizes zu vergleichen. Ein Anstieg von 10.000 auf 10.500 und einer von 1.000 auf 1.050 sind beide +5 %.
Grenzen und typische Fehler
Kapitalgewichtete Indizes können sich stark konzentrieren: Dominieren wenige Riesenkonzerne, verhält sich der Index weniger breit gestreut, als sein Name vermuten lässt. Zudem ändern sich die Mitglieder – schwache Unternehmen fliegen raus, starke kommen hinzu –, sodass die langfristige Bilanz eines Index besser aussieht als das Schicksal seiner ursprünglichen Mitglieder.
Prüfe auch, ob es sich um einen Kurs- oder einen Performanceindex handelt. Der DAX wird als Performanceindex berechnet, der die Wiederanlage von Dividenden unterstellt, während S&P 500 und Dow Jones in der Regel als reine Kursindizes notiert werden. Langfristige Vergleiche zwischen ihnen sind deshalb verzerrt.
Häufige Fragen
Kann man direkt in einen Index investieren?
Nein. Ein Index ist nur eine Berechnung. Um ihn abzubilden, kauft man einen Indexfonds oder ETF, der seine Werte hält, oder nutzt Derivate wie Index-Futures.
Was ist der Unterschied zwischen kurs- und kapitalgewichtetem Index?
Im kursgewichteten Index haben Aktien mit hohem Stückkurs mehr Einfluss, im kapitalgewichteten Index Unternehmen mit hohem Börsenwert. Die meisten modernen Indizes sind nach Marktkapitalisierung gewichtet, meist bereinigt um den Streubesitz.
Warum unterscheiden sich Indexstände so stark?
Jeder Index startet bei seiner Auflage mit einem willkürlichen Basiswert und hat seinen eigenen Divisor. Ein Stand von 5.000 gegenüber 40.000 sagt nichts darüber, welcher Markt größer oder besser ist – vergleichbar sind nur prozentuale Veränderungen.