Technische Analyse

Fibonacci-Retracements erklärt: 38,2 %, 50 % und 61,8 %

Fibonacci-Retracements teilen eine vorangegangene Bewegung bei 23,6 %, 38,2 %, 50 %, 61,8 % und 78,6 %, um mögliche Haltezonen einer Korrektur zu markieren.

Was Fibonacci-Retracements sind

Nach einer starken Bewegung laufen Kurse selten geradlinig weiter; sie korrigieren, bevor der Trend fortgesetzt wird oder kippt. Fibonacci-Retracements sind waagerechte Linien, die die vorangegangene Bewegung in Verhältnisse teilen, die aus der Fibonacci-Folge stammen (0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21 …), in der jede Zahl die Summe der beiden vorherigen ist.

Teilt man eine Zahl der Folge durch die nächste, nähert sich das Ergebnis 0,618; durch die übernächste etwa 0,382, durch die drittnächste etwa 0,236. Diese Quoten bilden zusammen mit 50 % und 78,6 % (der Wurzel aus 0,618) die üblichen Retracement-Marken.

So werden die Marken berechnet

Wähle ein markantes Tief (T) und ein markantes Hoch (H). Für eine Korrektur im Aufwärtstrend gilt:

Marke   = H − (H − T) × Quote
Quoten: 0,236 · 0,382 · 0,5 · 0,618 · 0,786

Im Abwärtstrend misst man vom Hoch zum Tief und addiert: Marke = T + (H − T) × Quote. Die Karte mit Referenzmarken auf unseren Kursseiten erledigt das automatisch für die jüngste Hoch-Tief-Spanne und ergänzt Extensions über beide Enden hinaus.

Ein Rechenbeispiel

Eine Aktie steigt von 100 auf 150, eine Bewegung von 50. Die Retracement-Marken liegen bei 150 − 50 × 0,236 = 138,2; 150 − 50 × 0,382 = 130,9; 150 − 25 = 125 (die 50-%-Marke); 150 − 50 × 0,618 = 119,1 und 150 − 50 × 0,786 = 110,7. Eine flache Korrektur, die um 138 oder 131 hält, spricht für einen starken Trend; fällt der Kurs unter 119 und dann unter 111, ist der Großteil des Anstiegs wieder abgegeben, und viele Trader stellen den Aufwärtstrend infrage.

Trader achten auf Überschneidungen: Fällt die 61,8-%-Marke bei 119 zusätzlich mit einem früheren Widerstand und der 200-Tage-Linie zusammen, ist das eine deutlich glaubwürdigere Zone als eine einzelne Fibonacci-Linie.

Grenzen und typische Fehler

Das Ergebnis hängt vollständig davon ab, welches Hoch und welches Tief man wählt – andere Ankerpunkte ergeben andere Marken. Im Nachhinein findet sich deshalb fast immer eine Marke, die „funktioniert“ hat. Belastbare Belege, dass Märkte genau diese Quoten stärker respektieren als andere, gibt es nicht; ein Großteil der Wirkung dürfte sich selbst erfüllen, weil viele Marktteilnehmer auf dieselben Linien schauen.

Betrachte die Marken als Landkarte plausibler Reaktionszonen, nicht als Prognose. Suche nach Bestätigung – einer Umkehrkerze, einem Momentumwechsel bei RSI oder MACD, steigendem Volumen – und lege vorher fest, wo du falschliegst.

Häufige Fragen

Welche Fibonacci-Marke ist die wichtigste?

Die 61,8-%-Marke, oft als Goldener Schnitt bezeichnet, wird am stärksten beachtet, gefolgt von 38,2 % und 50 %. Keine ist für sich allein verlässlich; am meisten zählen sie, wenn sie mit anderen Unterstützungen oder Widerständen zusammenfallen.

Ist 50 % eine Fibonacci-Zahl?

Nein. Das 50-%-Retracement stammt aus der älteren Markttheorie – der Beobachtung, dass Kurse oft etwa die Hälfte einer Bewegung wieder abgeben –, wird aber auf fast jeder Plattform zusammen mit den Fibonacci-Quoten angezeigt.

Was ist der Unterschied zwischen Retracement und Extension?

Retracements liegen innerhalb der vorangegangenen Bewegung und schätzen, wo eine Korrektur enden könnte. Extensions wie 127,2 % oder 161,8 % reichen darüber hinaus und dienen dazu, mögliche nächste Kursziele eines Trends abzuschätzen.

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